S. W. Pratajev ( 1902-1961)

... ich war der, der immer vorne ging!

 

Viel hat er in seinem kurzen, aber genossenem Leben geschrieben, der berühmte russische Dichter S.W. Pratajev. Er lebte von 1902 bis 1961 in den Weiten Russlands, an nie ein und dem selben Ort. Miloproschenskoje, Trolow oder Bolwerkow waren seine Stationen die bekannt sind.  Er reiste gerne, trank viel, rauchte und war dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt. Ein Denkmal in der heutigen Zeit setzten ihm die "RUSSIAN DOCTORS", allen voran ihr Sänger Makarios, die viele Gedichte musikalisch aufarbeiten. Das klingt dann ganz im Stil von Pratajev`s Liedern, die er mit Anatoli Prumski vortrug.

Wenn jemand von euch Gedichte, Geschichten oder Biografisches von Pratajev findet, so sende es uns zu (Mailadresse steht bei Kontakt). Ihr könnt euch natürlich aber auch mal als Dichter im Pratajev-Stil versuchen. Interessante Sachen werde ich hier veröffentlichen!

NEUENTDECKUNGEN:

Neue Plagiate von Wladmir Petrowitsch Uschakow aufgetaucht, Stand Juli 2007

Bereits im 1. Haus-aus-Stein-Almanach der Pratajev-Gesellschaft stellten wir einen der schlimmsten Pratajev-Plagiatoren der Weltöffentlichkeit vor: Wladmir Petrowitsch Uschakow. Nun sind neue Versmaße aufgetaucht, die natürlich dito ihren Weg ins nächste Haus-aus-Stein finden sollen. Ein paar Beispiele stellen wir hier vorab zur Verfügung; unten - für jene, denen der Name Uschakow bisher nichts sagte - findet sich ein kleiner Auszug aus dem 1. Almanach wieder.

Bald 

Wie soll ich nur die Schönheit beschreiben

Eines kalten Regenschauers

Das wie Nadelstiche auf meiner Haut prasselt

Des Windes

Der scharf in mein Gesicht schneidet

Ich kann nur eins sagen

Es wird mir fehlen

 

Erntedank in Grislorka I

Hühnerbeine hängen aus dem Bauernmund

Zum Nachtisch gibt es tote Fliegen

Die darauf liegen

 

Hammelbeine hängen aus dem Bauernmund

Zum Nachtisch gibt es tote Brummer

Das macht mir keinen Kummer

 

Pferdebeine hängen aus dem Bauernmund

Zum Nachtisch gibt es Schnapsgebräu

Dann nichts wie ab ins Heu

Wo über mir die Wolken ziehen 

 

Ich lache trunken aus der Ferne

Hier bin ich Bauer

Hier lieg ich gerne

 

Erntedank in Grislorka II

Die Magd liegt im Pelmeni-Brei

Dem Bauern ging der Holzlöffel entzwei

Weil sie es so wollte 

 

Erntedank in Grislorka III

Pjotr trinkt Kartoffelschnaps

Neben sich die lecke Kerze aus Wachs

 

Vor der Schenke am Bergkamm

Eilt die Nachbarstochter heran

Schaut den Pjotr lieblich an  

Und fällt in den Raps

 

Die himmlischen Holzböcke

Als ich betrunken auf der Wiese lag

Kam vom Himmel eine Holzbock-Plag

Setze sich euphorisch auf mich nieder

Biss und sog in alle Glieder

 

Als ich dann erwachte

Schnitt ich alle raus

Und lachte

 

Mein schönes Kind im Wald

Sanft wehte ein leichter Wind

Raschelnde Blätter verrieten mein schönes Kind

Es lag mit erhobenen Brüsten

Neben dem Postmann im Dreck

Da nahm ich die Axt

Und er lief weg

Hat mir nie einen Brief mehr zugestellt

Das ist gerecht

So ist die Welt

 

Verschorftes Blut

Die schönsten Landfrauen aus Westrow

Hoben allesamt das Feldkleid

 

Ich sah’s mir an

Und bekam Liebesleid

 

Doch was ich dann erblickte

War gar nicht gut

Dunkelrotes, verschorftes Blut

 

Alptraum eines kleinwüchsigen Holzsägers

Im Schlepptau der Waldameise

Die dich funkelnden Auges findet

Hinter der Schneise

 

Die dich einsammelt

Und in den Bau trägt

 

Wo tausende auf dich warten

Wirst du lebendig zersägt

 

Wladimir Petrowitsch Uschakow (1901 – 1959) Im Mai des Jahres 1984 machte der Pratajev-Forscher Andrei Iwanowitsch Sofiano in einem Moskauer Antiquariat einen spektakulären Fund. Ihm fiel das wohl bis dato einzig erhaltene Buch „Der Landarbeiter" von S.W. Pratajev in die Hände. Erstaunlich daran war, dass bisher niemand davon gehört hatte. Jahrelange Nachforschungen rückten schließlich das Bild zurecht. Das Buch „Der Landarbeiter" erwies sich als Plagiat-Schrift. Verfasst hatte es kein geringerer als Pratajevs Jugendfreund Wladimir Petrowitsch Uschakow. 1939 meldete er sich freiwillig zur Roten Armee, um einer Strafe zu entgehen, die ihn mit größter Sicherheit in die sibirische Verbannung geführt hätte. Als die deutsche Wehrmacht im Juni 1941 ihren Russlandfeldzug begann, desertierte Uschakow und versteckte sich bis zu seinem Tod im Jahre 1959 in der äußeren Mongolei, von wo aus er dutzende Briefe schäbigen Inhalts an Pratajev schickte. Uschakow beschimpfte Pratajev in diesen schnapsgetränkten Schreiben des Öfteren und sein Neid, dass der Jugendfreund eine dichterische Berühmtheit erlang, war grenzenlos. Diese Verbitterung trieb ihn vermutlich so weit, dass er begann eigene, seines Erachtens misslungene, Texte unter Pratajevs Namen zu veröffentlichen[1]. Obwohl Pratajev – so weit bisher bekannt ist – die Mongolei nie besuchte, erlangte er dort durch die Verbreitung des „Landdichters" große Berühmtheit. Uschakow soll deswegen tagelang in seiner Jurte getobt haben, bis er schließlich an einem Herzinfarkt starb. Hungrige, streunende, mongolische Rüsselhunde verspeisten den Leichnam, als er noch warm war. Was Uschakow in seinem Heimatkolchos genau angerichtet hatte, ist bisher ebenso ungeklärt, wie die Höhe der Auflage des „Landarbeiters". Da sich das Buch in keinem guten Zustand befand, ließ sich ebenso weder der Verlag noch das Erscheinungsjahr ermitteln. Die ersten dreißig Seiten waren herausgerissen und im Umschlag fraß bereits der Bücherwurm. Andrei Iwanowitsch Sofiano stellte im Januar 2007 den Kontakt zur Pratajev-Gesellschaft mit den Worten: „Nun könnt ihr das alles neu veröffentlichen, schreibt aber bitte meinen Namen richtig[2]" her und faxte daraus einige noch gut erhaltene Textpassagen und Gedichte, die wir hier auszugsweise veröffentlichen (...)

[1] Heute würde die Justiz hier den Begriff des „Stalkings" verwenden. Doch da Pratajev durch die Plagiate weder physischer noch psychischer Schaden entstand, er lediglich von seinem mongolischen Ruhm nichts ahnte, wirkte sich Uschakows Treiben nicht besonders negativ aus. Ganz im Gegenteil.

[2] Leider befand sich im Faxgerät störrische Tintenflüssigkeit. Der Name des Absenders war völlig verwischt. So könnte Sofiano auch Sofia oder Sofianow oder Sofianowitsch heißen. Wir bitten eventuelle Ungereimtheiten hier rasch zu verzeihen.

Entdeckung von 3 Gedichten in einer Hauswand in Igursk (Sibirien) im Juni 2007

Der Käferzähler

Drei Käfer Hirsch

Zwei Käfer Mist

Gekrabbel auf dem

Waldboden ist

Vier Käfer Marien

Sechs Käfer Goldlauf

Gekrabbel auf

Dem Misthauf ist

Ich zähle alles

Ich zähle jeden

Und möchte nicht

Darüber reden

Der Kartoffelzähler

Auf dem Feld

Recht nah am Dorf

Stand er

An den Fingern Schorf

Er prüfte

Zählte und sortierte

Und sonderte aus

Jede Vierte

 

Lied des Bochlev

Finger, schöner Finger

Du bist der letzte

Der mir blieb

Finger, schöner Finger

Ich glaub

Ich hab dich lieb

Finger, schöner Finger

Du bist der letzte an

Der Hand

Finger, schöner Finger

Du wirst Daumen

Nur genannt

Erste Beweise für die Echtheit der Großenhainer Notizen, Stand April 2007

Bisher konnten die Großenhainer Pratajev-Freunde keinen direkten Beweis für den Aufenthalt Pratajev´s in Großenhain liefern. Die berühmten Großenhainer Notizen aus der Preusker-Bücherei wurden ja vom Stadtarchiv "beschlagnahmt", als dieses davon erfuhr. Anscheinend wurde auch ihnen die Wichtigkeit dieser Zettel bewusst. Weiter unten auf dieser Seite und im Buch "Haus aus Stein 1" kann man die Übersetzung lesen, die ein Pratajev-Freund zum Glück schnell anfertigen konnte. Dank eines Praktikanten im Großenhainer Rathauses, bekamen wir Scannerfotos der Zettel. Auch wenn das Stadtarchiv nicht gerade sorgsam damit umgegangen ist und die berühmte PI-Signatur fehlt, ist die Echtheit bewiesen.  Anbei die Fotos, zum Vergrössern bitte anklicken:

o.T.2 ; "Hosen-Gedicht" o.T.3 ; "Unkraut-Gedicht" o.T.4 , "Wäsche-Gedicht"

Forschungsergebnisse von 2006 der Pratajev-Freunde Großenhain unter der Leitung von N. Träger

Pratajev in Großenhain, oder wie Heinos Augen gerettet wurden:

Nach dem 2. Weltkrieg übernahm auch in Großenhain die Rote Armee die Macht. Sie hatte in allen Bereichen das Sagen, so auch im Schulwesen. 1945 kam auch Pratajev in Großenhain an. Er war gerade auf Selbstfindungsreise und hatte sich irgendwie nach Großenhain verirrt, obwohl er doch Richtung Slowakei wollte. Die Schuld daran gab er dem katastrophalen Zustand der Eisenbahn. Er beschloß ein paar Wochen zu bleiben, zudem der Stadtkommandant ihm eine Stelle in der hiesigen Goetheschule angeboten hatte. Pratajev sollte die Kinder mit der russischen Sprache vertraut machen. Und so sind wir schon bei Heino angekommen. Dieser verirrte sich in den Nachkriegswirren um 1945 nämlich mit seinen Eltern nach Großenhain. Hier ging er auch kurze Zeit zur Schule, präziser in die Goetheschule. Er war ein durchschnittlicher Schüler und fiel eigentlich kaum auf. Bis auf den Tag im verregnetem Herbst, als er Werkunterricht hatte. Bei Holzarbeiten bekam er in beide Augen Holzsplitter. Um nicht schon wie so oft als Weichei verspottet zu werden, litt er fast eine Woche unter Schmerzen. Das nasse Wetter tat sein übriges. Bei seiner Russischstunde bemerkte Pratajev natürlich sofort mit Kennerblick, was unserem kleinen Heino wiederfahren war. Er ging mit ihm sofort in die Turnhalle, wo sich eine Starterklappe befand. Nach deren medizinischem Gebrauch (Nachzulesen in Pratajevs "Augenoperationen auf hoher See" im Medizinischem Almanach) konnte Heino wieder fast 100% sehen. Nur das Optische Aussehen um die Augen herum hat durch Entzündungen und Eiterfluss sehr gelitten. Heino weinte stark, und noch mehr als Pratajev ihm sagte, das sich da auch nichts mehr verbessern wird. Als Trost und zum Verdecken der Wunden schenkte Pratajev dem kleinen Heino seine große Sonnenbrille, die dieser auch dankbar annahm. Bald darauf verließ Pratajev Großenhain auf Anraten des Stadtkommandanten, da dieser den Lehrstil unseres Poeten nicht mochte. Was aus klein Heino geworden ist, der Ende !945 wieder Richtung Westen verschwand, wissen wir leider nur zu gut. Obwohl aufmerksamen Beobachtern aufgefallen ist, das doch so manches russisches Lied ab und zu von ihm gesungen wird. Und er sich dann dabei liebvoll an die dunkle, große Brille greift.

PS: Kurios ist auch, das Heino seine Abschiedstour in Großenhain startete.

Das Ende:

Wenn dein Bauch dir bläht

der Sensenmann deine Stunden zählt

deine Frau sich von dir wendet

dann deine Reise hier bald endet.

(S.W.Pratajev)

Schlechtes Wetter:

Der Regen prasselt an das Fenster

man hält sich an der Flasche fest

als der Sturm anfängt zu heulen

gibt man sich gern den Rest.

(Russischschüler von Pratajev)

Folgende drei Gedichtsnotizen hat ein Bekannter beim Einräumen der Preuskerbibliothek in Großenhain gefunden. Diese wurde ja in den letzten Monaten umfangreich saniert. Interessant ist noch, das die Notizen in einem alten Buch über Heilkräutersammeln lagen.

Flink fährt die Schere

durch den Stoff

Die Nadel behende

den Faden einnäht

Der Mann sich freut

über die Hose.

Hastig die Hand

in die Erde greift

"Das Unkraut muss weg!"

Der Wurm erstarrt

und wegkriecht vor Schreck.

Die Wäsche auf der

Leine hängt

Kein Wind dabei wehet

Die Wäscherin merkt

die Zeit drängt

Sie sagt:"Heut dauerts länger!".