S.W. PRATAJEV
eigentl. Sergeij Waschowitsch Pratalinko
Biografische Übersicht nach Orten und Phasen. Forschungsstand vom 16.03.2007.
Vorangegangene Datierungen, welche den jetzigen zuwiederlaufen, verlieren ihre Gültigkeit.
1902 2. September, Geburt Pratajevs in Kurtschinsk-Robersk Vater Heilkräutersammler, Mutter Kuhbürsterin
1907 Entdeckung der Mineralwasserquelle auf dem Anwesen der Eltern
1918 Plötzlicher Tod der Eltern, Pratajev wird Mineralwasserquellenbesitzer
1923 Pratajev verläßt erstmals Loptschevsk, erster Aufenthalt in Miloproschenskoje
1927 Versiegen der Mineralwasserquelle
1928 Ausbildung zum Karussellführer in Trowlov
1929 Erste literarische Versuche
1929-1931 Freischaffender Karussellführer, Wanderjahre (weitgehend unerforscht)
1931-1935 Hilfszahnarzt in Plovtschensk, nebenbei verstärkte Schriftstellertätigkeit
1935 Erste Veröffentlichung. Pratajev wird Schriftsteller. Lesungsreisen durch die ländlichen Gebiete Rußlands beginnen. Erster Kontakt zu Wallgold (Verleger)
1936 Pratajev begegnet dem Erlenholzgitarristen Anatoli Prumski, eine bis zum Tode Pratajevs andauernde Freundschaft beginnt
1937 Pratajev beginnt zu malen. Igor Pavlowitschs Kriminalfälle erscheinen und werden zurückgezogen.
1937-1940 Malerphase (auch Kriminalphase genannt, weitgehend unerforscht)
1941 Pratajevs Spuren verlieren sich in den Kriegswirren
1944 Pratajev wohnt in Molybdanov
1945 Pratajev soll in Prag im Dienste der Roten Armee Arzthelfer gewesen sein, davor eventuell Zwischenstopp in Großenhain
1946-1947 Verstärkte Schriftstellertätigkeit. Wechselnde Wohnsitze (unerforscht). Pratajev gilt als berühmt, hinterließ helfend Spuren im Einflußgebiet der Sowjets. Viele unbestätigte Legenden entstehen (Lehrer in Großenhain, Landarzt bei Kiew, Veterenär fast überall)
1947 Erste Schallplattenaufnahme
1947-1952 Rückzugs- oder Umnachtungsphase (weitgehend unerforscht)
1952 Der Dorfsowjet greift ein erscheint und katapultiert den inzwischen fast vergessenen Pratajev in die Bestsellerlisten. Eine unruhige Zeit beginnt. Ausgedehnte Tourneen mit Prumski und wechselnden  Freunden und Begleitern
1953 Kolsnovo Parputsker Sommer. Pratajevs Erscheinen verursacht überall Tumulte
1954  Beginn der Miloproschenskojer Phase. Die Kriminalfälle des Igor Pavlowitsch erscheinen in erweiterter und überarbeiteter Form und bescheren einen Riesenerfolg. Diverse Reisen, auch nachweislich ins Ausland (unerforscht)
1955 Kurze Smolensker Periode (10. Februar bis 15. März), fluchtartige Rückkehr nach Miloproschenskoje
1957 Pratajev schreibt fast ausschließlich Lyrik. Ungezählte Gedichte harren der Aufarbeitung. Sein im gleichen Jahr erscheinender Band "Dackelfellmantel" führt zur Bezeichnung "Neue Sowjetische Gruftliteratur" und trotz Zerwürfnis mit Wallgold zu Pratajevs endgültigem Ruhm.
1957-1959 Ständige Tourneen
1959 Ende der Miloproschenskojer Phase. Übersiedlung nach Protnik. Verfassung verschiedener medizinischer Schriften. Beginn der Einsamkeitsanfälle, sogenannte Sorgenphase
1960 Kurze Rückkehr nach Miloproschenskoje. Gefrierkatastrophe von Bolwerkow (Als das Eis kam)  Mit Beginn des Winters Rückzug ins Teehaus Protnik, starke Einsamkeitsanfälle.
1961 Gottesphase (neu entdeckt). Pratajev verließ Protnik ohne Ziel, vagabundierte größenwahnsinnig geworden umher, frönte dekadenten Neigungen und schrieb ohneUnterlaß. Hauptrückzugsort war eine Datscha Wallgolds in den Wäldern von Branskovskowo.
1961 Tod Pratajevs unter ungeklärten Umständen beim Besuch einer Gruft. Pratajevs Leichnam wurde gestohlen und seine Gebeine als Reliquien gehandelt. Als Todestag gilt seit neuestem der 23. 5. Ein Grab Pratajevs ist bis heute nicht auffindbar. Teile seines Leichnams sollen später von einer Delegation nach Weimar gebracht worden sein (unbestätigt)
1962-1964 Postmortale Phase. Immer wieder tauchten Manuskripte auf, die nachweislich von Pratajevs Hand stammten. Die Vermutung, Pratajev sei noch am Leben, erhielt somit immer wieder Nahrung. Die aus dieser Zeit stammenden Gedichte wurden zu dem Band "Nach dem Tode schreib ich weiter" zusammengefaßt.
1964 Gerüchte, Pratajev hause als Eremit in einer Holzhütte auf einem Felsvorsprung über dem Flüsschen Woschtsch (Sibirien), führen zu einem Pilgerstrom seiner Anhänger dorthin. Nachdem 8 Personen in den Fluten ertranken und der Hüttenbewohner als nicht Pratajev identifiziert wurde,  machte sich eine große Enttäuschung breit, die zur Folge hatte, daß Pratajev allmählich in Vergessenheit geriet.